15.12.2025 – Die Weltbevölkerung steht vor einem Dilemma: Industrialisierung und starkes Wirtschaftswachstum haben in den letzten 200 Jahren zu einer beispiellosen Reduktion der globalen Armut beigetragen, gleichzeitig spüren wir zunehmend die negativen Auswirkungen unseres Fortschritts in Form klimatischer Veränderungen. Hieraus entsteht ein Zielkonflikt, den Prof. Schmidt, Präsident des RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in seinem Vortrag am Montag deutlich unterstreicht:
„Wir stehen vor einer Doppelaufgabe, die in der öffentlichen Diskussion oft nicht klar genug hervorgehoben wird.“ Es geht darum, allen Menschen einen Weg aus der Armut zu ermöglichen und gleichzeitig die Umweltkrise zu bewältigen, ohne die Armut erneut steigen zu lassen. Den Klimawandel zu bekämpfen, indem wir die Wirtschaftsleistung reduzieren oder uns in Verzicht üben, ist langfristig vielleicht keine gute Lösung.
Allgemein gibt es drei Wege, Emissionen zu reduzieren: Wir können die Nachfrage reduzieren, z. B. durch Effizienzvorgaben; wir können das Angebot erhöhen, z. B. durch den Ausbau erneuerbarer Energien; und wir können technologische (und soziale) Innovationen schaffen, z. B. durch Maßnahmen zur Effizienzsteigerung und die Nutzung neuer Technologien wie Carbon Capture.
Deutschland sollte sich bei der Wahl der Möglichkeiten auf seine Stärken besinnen. Während die Reduktion von Emissionen durch stringente nationale Klimavorgaben zwar ein reines ökologisches Gewissen bescheren kann, ist der Einfluss auf die globale CO₂-Bilanz vergleichsweise gering. Wir müssen darauf hinarbeiten, den weltweiten Ausstoß zu reduzieren, und das gelingt zum Beispiel durch den Export von Innovationen.
Prof. Schmidt plädiert für eine Defossilisierung ohne Deindustrialisierung. Lokale Industrie muss erhalten bleiben, Arbeitsplätze dürfen nicht verloren gehen, eigene Maßnahmen müssen darauf angepasst werden. Das stärkt langfristig nicht nur die eigene Wirtschaft, sondern kann unter geeigneten politischen Rahmenbedingungen (Stichwort CO₂-Bepreisung) auch einen signifikanten Beitrag zur Dekarbonisierung leisten.
Wir danken Prof. Schmidt für den spannenden Vortrag sowie die aufschlussreiche Diskussion und die Beantwortung von Fragen.
Die Aufzeichnung des Vortrags von Christoph M. Schmidt können Sie unter folgendem Link herunterladen: WGP am Montag: Christoph M. Schmidt zu „Klima- und Wirtschaftspolitik im Angesicht eines globalen Dilemmas“
Kenncode: bM2.Y8SM
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