- Definition der Produktionsplanung und der Produktionssteuerung
- Grundlagen der Produktionsplanung und -steuerung
- Ziele der PPS
- Aufgaben
- Teilbereiche der Produktionsplanung und Produktionssteuerung
- Funktionsweise und Ablauf der Produktionsplanung
- Modelle und Methoden der Produktionsplanung und -steuerung
- Dilemma und Polylemma der Produktionsplanung
- Kennzahlen der Produktionsplanung
- Software der Produktionsplanung
- Schulungen für Produktionsplanung und -steuerung
- Umsetzung der Produktionsplanung und -steuerung
Definition der Produktionsplanung und der Produktionssteuerung
Die Hauptaufgaben des Produktionsmanagements sind die Produktionsplanung und -steuerung aller Fertigungs- und Montageprozesse mit dem Ziel geringer Logistikkosten und einer hohen logistischen Leistungsfähigkeit. Die Produktionsplanung sowie die Produktionssteuerung verfolgen die Aufgabe den Auftragsdurchlauf durch die vier Bereiche Konstruktion, Beschaffung, Produktion und Versand zu planen und unter dem Einfluss etwaiger Störungen zu steuern. Die Produktionsplanung gestaltet die generellen Inhalte und die Teilprozesse der Fertigung sowie der Montage in Bezug auf die Kennzahlen Termine, Kapazitäten und Mengen. Die Produktionssteuerung hingegen steuert den tatsächlichen Ablauf der Tätigkeiten während der Auftragsabwicklung. Konkret wird dabei das Ziel verfolgt, die Vorgaben der Planung so genau wie möglich umzusetzen sowie vorgegebene logistische Zielgrößen zu realisieren.Grundlagen der Produktionsplanung und -steuerung
Die Produktionsplanung und -steuerung lassen sich hierarchisch darstellen, was der nachfolgenden Abbildung zu entnehmen ist.Schritte der Produktionsplanung
Der erste Schritt im Rahmen der Produktionsplanung ist die Primärbedarfsplanung. Gegenstand der Primärbedarfsplanung ist die Festlegung der in der Planungsperiode herzustellenden Mengen der absatzbestimmten Produkte (End- und Zwischenprodukte). Im Rahmen der Sekundärplanung, dem zweiten Schritt der Produktionsplanung, sind die für die Herstellung des Primärbedarfs benötigten Einsatzgütermengen (eigengefertigt und fremdbezogen) zu ermitteln. Der dritte Schritt, die Termin- und Kapazitätsplanung, wird in die Schritte Durchlaufterminierung, Kapazitätsplanung und Kapazitätsabgleich zerlegt. Es werden zusätzlich grobe Festlegung vorläufiger Start- und Endtermine vorgenommen. Bei der Kapazitätsplanung wird die sich ergebende Kapazitätsnachfrage dem tatsächlichen Kapazitätsangebot im Zeitablauf gegenübergestellt.Schritte der Produktionssteuerung
Der erste Schritt der Produktionssteuerung, die Auftragsfreigabe, bildet die Schnittstelle zwischen der Produktionsplanung und der -steuerung des Produktionsvollzugs, indem für die freigegebenen Aufträge Auftragsbegleitunterlagen mit allen fertigungsrelevanten Informationen generiert werden, die benötigten Materialien reserviert und anschließend die exakten Bearbeitungstermine auf den einzelnen Bearbeitungsstationen festgelegt werden. Die anschließende Ablaufplanung verfolgt das Ziel, die genauen Bearbeitungstermine auf den einzelnen Bearbeitungsstationen des Produktionssystems so festzulegen, dass eine hohe Kapazitätsauslastung, geringe Durchlaufzeiten der Aufträge sowie eine hohe Termintreue erreicht wird. Die abschließende Auftragsüberwachung verfolgt das Ziel, den Fertigungsablauf im Hinblick auf die Planeinhaltung zu überwachen. Die Relevanz der Produktionsplanung und -steuerung in der Industrie und Logistik sind dahingehend vorhanden, als dass sie für eine wirtschaftliche Gestaltung und einen reibungslosen Ablauf der Produktionsprozesse unerlässlich sind. Eine durchgängige Anwendung bzw. Etablierung der Produktionsplanung und -steuerung macht insbesondere in Industrieunternehmen Sinn, deren Produkte sich aus einer Vielzahl an Komponenten zusammensetzen und ggf. eine Vielzahl an fremdbezogenen Bauteilen bedarfsgerecht beschafft werden müssen.
(Abbildung © Institut für Fabrikanlagen und Logistik) Bestandteile der PPS
Ziele der PPS
Die Produktionsplanung umfasst die gedankliche Vorwegnahme des Produktionsprozesses wohingegen von der Produktionssteuerung gesprochen wird, wenn die bei der Produktionsplanung erarbeiteten Vorgaben umgesetzt werden. Allgemein lassen sich die Ziele der Produktionsplanung und -steuerung an den Leistungszielen der Qualität, Kosten und Zeit bemessen.- Qualität: Ausfallrate, Fehlerquote etc.
- Kosten: Materialkosten, Bestandskosten etc.
- Zeit: Lieferfähigkeit, Liefertermineinhaltung etc.
Aufgaben
Die Aufgabe der Produktionsplanung ist die gedankliche Vorwegnahme des Produktionsablaufs. Die Aufgabe der Produktionssteuerung erstreckt sich über die Umsetzung bzw. die Steuerung der in der Produktionsplanung erarbeiteten Pläne. Die Aufgaben der PPS lassen sich dabei in die nachfolgenden Punkte untergliedern:- Produktionsprogrammplanung
- Auftragsmanagement
- Sekundärbedarfsplanung
- Fremdbezugsgrobplanung
- Fremdbezugsplanung
- Produktionsbedarfsplanung
- Eigenfertigungsplanung
- Eigenfertigungssteuerung
- Auftragsversand
- Bestandsmanagement
Teilbereiche der Produktionsplanung und Produktionssteuerung
Bereiche der Produktionsplanung
Die Produktionsplanung lässt sich übergeordnet in die drei nachfolgenden Bereiche untergliedern:- Produktionsprogrammplanung: Das primäre Ziel der Produktionsprogrammplanung ist die Festlegung der zu produzierenden Fertigerzeugnisse
- Mengenplanung: Ausgehend von den zuvor aus der Produktionsprogrammplanung abgeleiteten Produktionsmengen der Endprodukte werden die Sekundärbedarfe der Vorprodukte gemäß der Erzeugnisstruktur bestimmt
- Termin- und Kapazitätsplanung: Es wird das Ziel verfolgt, für alle Aufträge, die in der aktuellen Periode fertiggestellt werden müssen, die Start- und Endtermine ihrer Bearbeitung zu bestimmen
Bereiche der Produktionssteuerung
Die Produktionssteuerung verfolgt anknüpfend an die Produktionsplanung die beiden nachfolgend aufgelisteten Aufgaben:- Auftragsveranlassung: Die Auftragsveranlassung ist auch als Auftragsfreigabe zu verstehen und stellt das Bindeglied zwischen Produktionsplanung und -steuerung dar
- Auftragsüberwachung: Im Rahmen der Auftragsüberwachung gilt es den Fertigungsablauf im Hinblick auf den zuvor abgestimmten Plan zu überwachen
Funktionsweise und Ablauf der Produktionsplanung
Die Funktionsweise der Produktionsplanung ist hierarchisch aufgebaut, da das Gesamtproblem der Produktionsplanung in Teilprobleme zerlegt, die nacheinander gelöst werden, wobei die Ergebnisse einer übergeordneten Planungsstufe den Ausgangspunkt für die Planung der darunterliegenden Stufe bilden (Sukzessivplanungskonzept). Der Ablauf der Produktionsplanung ist übergeordnet in drei Schritte untergliedert. Zu Beginn erfolgt eine Primärbedarfsplanung. In diesem Schritt ist die Festlegung der in der Planungsperiode herzustellenden Mengen der absatzbestimmten Produkte Gegenstand der Planung. Anknüpfend an die Primärbedarfsplanung erfolgt die Sekundärbedarfsplanung. Im Rahmen dieses Schritts gilt es, die für die Herstellung des Primärbedarfs benötigten Einsatzgütermengen zu ermitteln. Der dritte und letzte Schritt der Produktionsplanung ist die Termin- und Kapazitätsplanung. Dieser Schritt untergliedert sich wiederum in die:- Durchlaufterminierung (grobe Festlegung vorläufiger Start- und Endtermine),
- Kapazitätsplanung (Kapazitätsnachfrage wird dem tatsächlichen Kapazitätsangebot der einzelnen Arbeitssysteme gegenübergestellt),
- Kapazitätsabgleich (ergreifen von Maßnahmen, um zu einem realisierbaren Produktionsplan zu gelangen).
Modelle und Methoden der Produktionsplanung und -steuerung
Ein weit verbreitetes Modell der Produktionsplanung und -steuerung ist das Hannoveraner Lieferkettenmodell. Hierbei handelt es sich um ein integratives Logistikmodell, das Aufgaben der Produktionsplanung und -steuerung mit logistischen Stell-, Regel- und Zielgrößen verknüpft.
(Abbildung in Anlehnung an Schmidt und Nyhuis 2021 https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-63897-2) Das Hannoveraner Lieferkettenmodell
- zeitliche Kapazitätsanpassung (z. B. Wechsel Schichtmodell)
- intensitätsmäßige Kapazitätsanpassung (z. B. Veränderung der Ausbringungsmenge durch neue Maschinen)
- Kapazitätsabgleich (Verlagerung, Splittung von Produktionsmengen)
- Fremdvergabe

(Abbildung © Institut für Fabrikanlagen und Logistik)
Abgleich der Kapazitätsbelastung durch logistische Modelle
- Vorwärtsterminierung
- Rückwärtsterminierung
- Mittelpunktterminierung

(Abbildung © Institut für Fabrikanlagen und Logistik)
Verschiedene logistische Modelle zum Einsatz in der PPS
Dilemma und Polylemma der Produktionsplanung
In der Produktion wird versucht, niedrige Durchlaufzeiten und eine hohe Termintreue zu realisieren, um damit einerseits den Kundenanforderungen zu entsprechen und andererseits die Planungssicherheit zu erhöhen. Unternehmensseitig möchte man hingegen eine hohe Auslastung der bereitgestellten Kapazitäten sowie möglichst niedrige Umlaufbeständen erreichen, um so die durch die Produktionslogistik beeinflussbaren Kosten zu minimieren. Es ist offensichtlich, dass sich einige dieser Teilziele unterstützen, andere sich hingegen widersprechen. Aufgrund der Komplexität der Abläufe in der Produktion und der wechselseitigen Beeinflussung der logistischen Zielgrößen ist es sehr unwahrscheinlich, dass bei diesem Vorgehen ein optimaler Kompromiss gefunden wird. Wird bei dem Bestreben, eines der Teilziele verstärkt zu verfolgen, gegen ein anderes verstoßen – was aufgrund der Gegenläufigkeit der Ziele fast zwangsläufig geschehen wird – fallen viele Unternehmen in den ursprünglichen Zustand zurück. Ein Grund dafür liegt in dem fehlenden Verständnis für die Zusammenhänge zwischen den PPS-Aufgaben und den beeinflussten logistischen Zielgrößen sowie den Wechselwirkungen zwischen den logistischen Zielgrößen untereinander.Kennzahlen der Produktionsplanung
Unternehmen wollen Kunden langfristig an sich binden und Gewinne erwirtschaften. Um auf den global umkämpften Märkten bestehen zu können, müssen Unternehmen Produkte in hoher Qualität zu günstigen Preisen und in immer kürzerer Zeit am Markt anbieten. Daraus leiten sich für produzierende Unternehmen drei elementare Leistungsziele ab: Qualität, Kosten und Zeit.
Schmidt & Nyhuis 2021 (S. 17)
Kennzahlen der Produktionsplanung
Software der Produktionsplanung
Es gibt eine Vielzahl an Software, die die Unternehmen bei ihrer Produktionsplanung und -steuerung unterstützen sollen. Dazu zählen zum Beispiel ERP-, MES- oder APS-Systeme.ERP
ERP Systeme umfassen die übergeordneten Bereiche der unternehmerischen Planung. Unter anderem wird das ERP-System übergreifend eingesetzt, um Ressourcen wie Personal, Bestand, Logistik, Kapital, Personal, Material, IT-Systeme zu managen. Zur Feinplanung der Produktion kann das ERP um ein MES (bzw. PPS oder APS) erweitert werden.MES
Das MES ist ein prozessnahes System, das komplexe Abläufe eines produzierenden Unternehmens koordiniert. Mit dem MES wird in der Produktion in Echtzeit geplant, ausgeführt und kontrolliert. Sowohl die Produktionsplanung- und Steuerung, als auch die Betriebsdatenerfassung (BDE), Maschinendatenerfassung (MDE) und Personaldatenerfassung sind in dem MES-System integriert.APS
APS gehen noch einen Schritt weiter und zielen darauf ab, die Planungsprozesse durch den Einsatz von Simulation und Optimierung zu automatisieren und zu computerisieren und somit die Lücke zwischen der Komplexität der Lieferkette und den täglich operativen Entscheidungen zu schließen. Das setzt jedoch voraus, dass die Planer in der Lage sind, Entscheidungsregeln für die Planung und Optimierung zu modellieren und aufzustellen.Schulungen für Produktionsplanung und -steuerung
Das vom Institut für Fabrikanlagen und Logistik angebotenen Schulungsmodule zum Thema „Produktionsplanung und Steuerung (PPS)“ vermitteln ein grundlegendes Verständnis über produktionslogistische Zusammenhänge bei der Planung und Steuerung von Produktionssystemen sowie die daraus resultierenden Herausforderungen heutiger produzierender Unternehmen. Dies ist eine wichtige Fähigkeit, um in den IT-lastigen Planungsprozessen den Überblick zu behalten und zielorientierte Entscheidungen innerhalb der PPS zu identifizieren. Daher wird in der Schulung vermittelt, welche Aufgaben innerhalb der Planung und Steuerung in der Produktion zu erfüllen sind, wie durch diese die logistischen und wirtschaftlichen Zielgrößen beeinflusst werden können und worauf bei der Auswahl von Steuerungsverfahren sowie der Festlegung relevanter Parameter in Unternehmen geachtet werden sollte. Durch die praktische Anwendung der theoretischen Inhalte innerhalb der IFA Lernfabrik kann das neu erlernte Wissen unmittelbar umgesetzt und die Einflussmöglichkeiten im Rahmen der Produktionsplanung und -steuerung besser nachvollzogen werden. Neben den theoretischen Inhalten können so im Rahmen der Weiterbildung wertvolle Erfahrungen gesammelt und neue Methoden kennengelernt werden. Dies versetzt die Teilnehmenden einer Schulung bzw. eines Seminars in die Lage eigenen Produktionsprozesse zu optimieren und die Auftragsabwicklung mit Blick auf die kunden- und unternehmensbezogenen Ziele deutlich zu verbessern. Hier finden Sie das Seminar zur PPS im Zeitalter von Industrie 4.0 der WGP-Produktionsakademie.Umsetzung der Produktionsplanung und -steuerung
Trotz zahlreicher Software-Anwendungen zur Unterstützung der PPS, werden die Aufgaben der PPS heute in vielen Unternehmen nicht zielorientiert erfüllt. Dies kann zum Beispiel daran liegen, dass Tools falsch ausgewählt und implementiert wurden oder das Systemverständnis bei den Anwendern nicht in ausreichender Form vorliegt. Dies spiegelt sich unter anderem wider in:- dem Einsatz ungeeigneter Verfahren zur Erfüllung der PPS-Aufgaben,
- einer falschen Einstellung von PPS-Parametern,
- einer mangelnden Pflege der Stammdaten im PPS-System,
- dem Einsatz von Faustregeln,
- der häufigen Notwendigkeit von Sonderaktionen wie Eilaufträgen und
- dem Verfehlen logistischer Ziele.
Hier finden Sie das Seminar zur PPS im Zeitalter von Industrie 4.0 der WGP-Produktionsakademie.
