Frankfurt, 13. Mai 2026 – Die WGP hat auf ihrer Frühjahrstagung vom 5. bis 8. Mai in Maastricht die Digitalisierung insbesondere der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) adressiert. Angesichts der derzeitigen Krise der Industrie haben die Forschenden Vertreter aus Unternehmen, Politik und Verbänden eingeladen, um gemeinsam Wege für die Transformation zu finden. „Zwar gelingt es uns dank der regelmäßigen Kontakte zu Entscheidern des Bundesforschungs- und des Bundeswirtschaftsministeriums immer wieder, Themen der Produktionsforschung in die Ministerien zu tragen“, erläutert Prof. Jürgen Fleischer, Präsident der WGP und Leiter des Instituts für Produktionstechnologie (wbk) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). „Wir wollen unsere Kontakte jedoch ausweiten, um schneller zu werden“, betonte er. „Mit Blick auf die vielzitierte Chinese Speed bleibt uns nicht viel Zeit, wenn wir mit unserer einzigartigen Expertise in der Produktionstechnik im internationalen Wettbewerb bestehen wollen.“

 

Ähnlich formulierte es Hartmut Rauen, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA, in seiner Rede. Trotz der schwierigen Lage, in der der deutsche Maschinen- und Anlagenbau stecke, gebe es doch Lichtblicke. Dazu gehöre neben der international hervorragenden wissenschaftlichen Infrastruktur die führende Position in der intelligent vernetzten Produktion im Shopfloor. Auch in der Automatisierungstechnik nehme Deutschland eine gute Position ein. Es gebe daher entsprechende Chancen, neue Geschäftsmodelle aufzusetzen. Allerdings müsse das Know-how für Innovationen aus den Hochschulen schneller in die Unternehmen getragen werden. „Damit spricht mir Hartmut Rauen aus der Seele“, sagte Fleischer. „In der WGP ist uns der beschleunigte Wissenstransfer seit langem ein Anliegen. Aus diesem Grund haben wir schon vor vielen Jahren die Produktionsakademie gegründet. Auch sprechen wir derzeit über ein Projekt zur niedrigschwelligen Forschungsförderung für KMU.“

 

Shopfloor muss zu Datenraum werden

„Deutschlands Maschinenbauer sind höchst wettbewerbsfähig, kämpfen jedoch mit hoher Last schlechter Rahmenbedingungen am Standort“, stellte Rauen fest. Trotzdem sieht er Chancen, sich etwa im Zukunftsfeld der Humanoiden Robotik im harten globalen Wettstreit zu behaupten. „Diese neue Maschinengattung trägt die physische KI in die Welt hinaus“, sagte er. Um vorne mitzuspielen, sind wir „gut aufgestellt, wir haben den Legokasten und die besten Akteure. Aber wir müssen jetzt aktiv werden.“

Die Digitalisierung der KMU muss hierfür allerdings forciert werden. Wie das gehen kann, hat die WGP bereits in ihrem Positionspapier „KI in der Produktion“ aufgezeigt. „Bis zum Herbst werden wir außerdem ein Positionspapier zur Humanoiden Robotik fertigstellen. Damit wollen wir Politik und Industrie die Potentiale dieser neuen Technologien aufzeigen und Handlungsempfehlungen geben“, erläuterte der WGP-Präsident.

Noch liegt jedoch ein gutes Stück Weg vor der Branche. Ingo Sawilla, R&D Manager Research – Head of Manufacturing X bei Trumpf, wies in seinem Vortrag auf ein zentrales Problem hin: Zwar ist die Gleichung Daten = Infos = Wissen = Werte bekannt. Doch viele KMU nutzen Datenräume noch nicht. In solchen geschützten Räumen können autorisierte Partner sicher Informationen austauschen, ohne sensible Geschäftsdaten zu gefährden. Die Vorteile sind jedoch erheblich, wie das Anwendungsbeispiel der vorausschauenden Instandhaltung (Predictive Maintenance) zeigt. Durch Datenanalyse lassen sich Maschinenschäden vorhersehen und gezielt verhindern, bevor sie entstehen.

Eine Infrastruktur für souveränen Datenaustausch, die auf gemeinsamen Vereinbarungen, Regeln und Standards beruht, eröffnet vor allem kleineren Unternehmen neue Chancen. Sie können sich in sogenannten Datenökosystemen mit Kunden und Partnern verbinden und so ihre Wertschöpfungskette digitalisieren. Auf diese Weise können sie innovative, serviceorientierte Geschäftsmodelle entwickeln.

 

Sprung nach vorn durch KI

Das Bundeswirtschaftsministerium treibt diesen als Manufacturing-X bekannten Ansatz explizit voran, um Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Nachhaltigkeit der deutschen Industrie zu stärken. „Diese Entwicklungen sind ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor“, mahnt der Präsident der WGP. „Gerade unser Mittelstand darf die Zeichen der Zeit nicht verschlafen. Wir sind noch immer international führend in Sachen Produktionstechnik und auch mit Manufacturing-X international vorne dabei. Aber die Produktivität der Unternehmen sinkt. Wenn wir die Digitalisierung jetzt nicht schnell genug in den Shopfloor bringen, werden wir sehr schnell abgehängt werden.“

Künstliche Intelligenz (KI) könnte hier ein Wendepunkt sein. Sawilla veranschaulichte dies an einem Beispiel: Erfahrene MaschinenbedienerInnen benötigen jahrelange Erfahrung, um Bauteile mit einer Genauigkeit von wenigen Tausendstel Millimeter zu produzieren. Eine KI-gesteuerte Maschine erreiche diese Präzision bereits nach wenigen Monaten. Auch die Automatisierung der Produktion bietet enormes Potenzial zur Steigerung der Produktivität – und noch mehr die autonome Fertigung. Hier könnten auch ungelernte Arbeitskräfte optimale Ergebnisse erzielen. Mit Blick auf den demografischen Wandel könnte dies den schon heute zu erkennenden Fachkräftemangel entschärfen.

 

Ein enger Schulterschluss für die Transformation

Ein Versuchsraum für autonome Produktion ist die Factory-X. Mit ihren geschützten Datenräumen ist sie ein Testlabor für effiziente und innovative Produktionsprozesse, die sich auf ganze Branchen übertragen lassen. „Mit Manufacturing-X und seinen Initiativen sichert Deutschland seine internationale Wettbewerbsfähigkeit“, ist sich Sawilla sicher. „Aber wir müssen in der Umsetzung schneller werden und bleiben. Dabei müssen wir unseren Vorteil in der starken Forschung in den Produktionswissenschaften maximal nutzen.“

Jürgen Fleischer formuliert es abschließend so: „Um die Digitalisierung auf dem Shopfloor und die Anbindung der Unternehmen an die übergeordneten Datenökosysteme schnell voranzubringen, brauchen wir den engen Schulterschluss von Industrie, Forschungsinstituten und Politik.“

 

Weitere Informationen

WGP-Produktionsakademie

Positionspapier „KI in der Produktion“ 

 

Zum Download

Bild 1: Podiumsdiskussion zur Frage, wie Datenräume im Shopfloor ankommen auf der WGP-Frühjahrstagung, 5. bis 8. Mai 2026 in Maastricht, (v.l.n.r.): Ingo Sawilla, R&D Manager Research, Head of Manufacturing X bei Trumpf, Dr. Marc-André Dittrich, Manager Central Development Coordination & Research Manager bei DMG Mori, Dr. Marc Hüske, Leiter Forum Manufacturing X beim VDMA, Ernst Stöckl-Pukall, Leiter des Referats Digitalisierung und Industrie 4.0 beim BMWI; Quelle: Tobias Kaufmann

Bild 2: Prof. Jürgen Fleischer; WGP-Präsident und Leiter des Instituts für Produktionstechnik (wbk) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT); Quelle: wbk Karlsruhe

Bild 3: Hartmut Rauen, Stellv. Hauptgeschäftsführer des VDMA, Quelle: VDMA

Bild 4: Ingo Sawilla, R&D Manager Research – Head of Manufacturing X bei Trumpf, Quelle: Trumpf

 

 

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