Beitragsbild: Mobiler Großroboter bei der Demontage von Batteriemodulen | Quelle: WZL Aachen

Elektrofahrzeuge boomen – doch was passiert mit ihren Batterien? WGP-Forschende entwickeln im Projekt REVAMP smarte Lösungen für die automatisierte Demontage und Wiederverwertung von Lithium-Ionen-Batterien und ebnen so den Weg in eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft.

 

Juni 2026 – Die steigende Verbreitung von Elektrofahrzeugen stellt die Industrie vor eine zentrale Herausforderung: Wie können ausgediente Lithium-Ionen-Batterien effizient, sicher und wirtschaftlich demontiert und wiederverwertet werden? Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) geförderte Forschungsprojekt REVAMP – Remanufacturing von variantenreichen Batteriemodulen mit automatisierten Montage- und Prüfprozessen – adressiert genau diese Fragestellung. Gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Forschung entwickelt ein Team des WGP-Instituts Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen ein flexibles, automatisiertes Demontagesystem entwickelt, das auf die hohe Variantenvielfalt moderner Batteriesysteme ausgelegt ist und den Weg in eine zirkuläre Batteriewirtschaft ebnet.

Bild 1: Forschungsteam des WZL im Rahmen des Projekts REVAMP | Quelle: WZL Aachen

Bild 1: Forschungsteam des WZL im Rahmen des Projekts REVAMP | Quelle: WZL Aachen

Automatisierung als Antwort auf Variantenvielfalt

Eine der größten Herausforderungen im Remanufacturing von Batterien ist die Vielzahl unterschiedlicher Batteriegenerationen und -zustände. Konventionelle, starre Automatisierungslösungen stoßen hier schnell an ihre Grenzen. REVAMP verfolgt daher einen grundlegend anderen Ansatz: Statt fixer Produktionslinien setzt das Projekt auf flexible, mobile Robotersysteme, die sich an unterschiedliche Bauteile und Prozessschritte anpassen können. Am WZL Aachen entsteht ein Demonstrator, der zentrale Demontageschritte wie das Lösen von Verbindungselementen, die Entnahme von Batteriemodulen und den Transport zwischen Stationen vollständig automatisiert abbildet.

 

Intelligente Systeme für die robotergestützte Demontage

Damit Roboter autonom agieren können, benötigen sie verlässliche Informationen über ihre Umgebung. Im Rahmen von REVAMP wurde hierfür ein KI-basiertes Machine-Vision-System entwickelt, das Batteriekomponenten automatisch erkennt und deren räumliche Lage bestimmt. Diese Informationen dienen als Grundlage für die nachgelagerte Robotermanipulation. Besonderer Wert wurde dabei auf die Übertragbarkeit des Systems auf neue Batteriegenerationen gelegt – ein entscheidender Faktor angesichts der hohen Variantenvielfalt.

Ergänzend dazu wurden spezialisierte Endeffektoren entwickelt, die auf die spezifischen Anforderungen der Batteriedemontage zugeschnitten sind, etwa hinsichtlich der erforderlichen Lösekräfte oder der geometrischen Besonderheiten verschiedener Batteriedeckel. Die iterative Entwicklung dieser Werkzeuge zeigt exemplarisch, wie eng Forschung und industrielle Praxis im Projekt verzahnt sind.

 

Mobile Robotik als Schlüsseltechnologie

Ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal des REVAMP-Demonstrators am WZL ist der Einsatz mobiler Roboter und fahrloser Transportsysteme. Diese ermöglichen eine freie Verkettung der einzelnen Demontagestationen und machen das Gesamtsystem deutlich flexibler als klassische, ortsgebundene Anlagen. Navigationssoftware, Sensorik zur Positionserfassung sowie intelligente Werkzeugwechselsysteme sorgen dafür, dass die mobilen Einheiten autonom und kollisionsfrei im Umfeld des Demonstrators agieren können.

 

Von der Demontage zur Kreislaufwirtschaft

REVAMP endet jedoch nicht bei der Demontage. Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die Zustandsbewertung der demontierten Batteriemodule. Mithilfe elektrochemischer Messmethoden wird der Gesundheitszustand jedes Moduls bestimmt, um darauf basierend zu entscheiden, ob es für ein Remanufacturing, eine Second-Life-Anwendung oder das Recycling infrage kommt. Um diese Entscheidungen ganzheitlich zu unterstützen, wird im Projekt ein digitaler Zwilling entwickelt, der den gesamten Batterielebenszyklus, vom Rohmaterial bis zur Nachnutzung, digital abbildet. Auf Basis dieser durchgängigen Datenverfügbarkeit ermöglicht eine kennzahlenbasierte Ökobilanzierung die Bewertung der Nachhaltigkeitsdimensionen des Remanufacturing-Prozesses und liefert damit eine fundierte Grundlage für zukunftsgerichtete Entscheidungen in der Kreislaufwirtschaft.

 

Industrieller Einsatz möglich

REVAMP zeigt, wie das Zusammenspiel von mobiler Robotik, künstlicher Intelligenz und modularer Systemintegration eine flexible Automatisierung in einem bisher weitgehend manuell geprägten Bereich ermöglicht. Die im Projekt entwickelten Lösungen sind nicht nur auf eine einzelne Batteriegeneration ausgelegt, sondern skalierbar und übertragbar. Damit schaffen sie eine wesentliche Voraussetzung für den industriellen Einsatz im Remanufacturing der Zukunft.

 


Weiterführende Informationen:

https://www.wzl.rwth-aachen.de/cms/wzl/forschung/forschungsumfeld/forschungsprojekte/projekte/~becbix/revamp-remanufacturing-von-variantenreic/ 

 

Förderer:

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE)

 

Ansprechpartner:

Werkzeugmaschinenlabor (WZL)  
RWTH Aachen

Prof.  Robert H. Schmitt
Lehrstuhl für Informations-, Qualitäts- und Sensorsysteme in der Produktion
Tel.: +49 241 8020283
E-Mail: robert.schmitt@wzl-iqs.rwth-aachen.de

Carolin Weckendrup
Lehrstuhl für Informations-, Qualitäts- und Sensorsysteme in der Produktion
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Tel.: +49 241 8025877
E-Mail: carolin.weckendrup@wzl-iqs.rwth-aachen.de

 


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