Beitragsbild: Humanoide Roboter sind ein prominentes Beispiel für vielfältige Einsatzmöglichkeiten einer Embodied AI. Quelle: Fraunhofer IPA/Foto: Rainer Bez.

Mit Embodied AI verlässt KI den rein digitalen Raum. Humanoide Roboter sind dafür das anschaulichste Beispiel – und eine doppelte Chance für die deutsche und europäische Industrie. Forschende des Fraunhofer IPA zeigen, wie Unternehmen diese Chance nutzen können.

 

Juni 2026 – Mit Embodied AI wird Künstliche Intelligenz in Maschinen verkörpert, die mit ihrer Umgebung physisch interagieren. Damit zeichnet sich, wie am Beispiel der humanoiden Roboter eindrücklich zu sehen, eine Renaissance der Hardware ab: Ohne Sensoren, Antriebe und Greifer kann keine Künstliche Intelligenz (KI) mit der physischen Welt interagieren. Die Industrie in Deutschland und Europa kann davon doppelt profitieren – als Anwender, der humanoide Roboter, autonome Fahrzeuge und andere intelligente Maschinen in Produktion und Logistik einsetzt, und als Hersteller der dafür benötigten Komponenten: Sensorik, Greifer, Antriebstechnik, Batterien und vieles mehr.

 

Welcher humanoide Roboter passt zu welcher Aufgabe?

Wann lohnt sich der Einsatz humanoider Roboter in Produktion und Logistik – und welche Systeme kommen dafür überhaupt infrage? Vor dieser Frage stehen derzeit viele Unternehmen. Antworten liefert ein Forschungsteam um WGP-Professor Thomas Bauernhansl vom Fraunhofer IPA: Der Ende März als Whitepaper veröffentlichte Humanoid Capabilities Navigator unterstützt Unternehmen dabei, die menschenähnlichen Roboter systematisch zu bewerten und ihre Potenziale realistisch einzuschätzen.

Der Navigator beschreibt humanoide Roboter anhand von vier Fähigkeitskategorien: Mobilität und Fortbewegung, Manipulation, Kognition sowie Safety und Security. Jede einzelne Fähigkeit wird dabei einem Reifegrad von 0 (nicht vorhanden) bis 4 (hochautonom, vergleichbar mit dem Menschen oder besser) zugeordnet. So entsteht erstmals eine herstellerunabhängige Vergleichsbasis: Unternehmen können verschiedene Robotersysteme objektiv gegenüberstellen und prüfen, ob sie für eine konkrete Anwendung geeignet sind – noch bevor sie investieren.

Aktuelle Anwendungsentwicklungen fokussieren sich vor allem auf Technologien, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit. | Quelle: Fraunhofer IPA/Foto: Rainer Bez.

Bild 1: Aktuelle Anwendungsentwicklungen fokussieren sich vor allem auf Technologien, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit. | Quelle: Fraunhofer IPA/Foto: Rainer Bez.

Neue Märkte entlang der Wertschöpfungskette

Neben der Anwenderperspektive stellt sich eine zweite Frage: Welche Perspektiven eröffnet die humanoide Robotik der industriellen Wertschöpfung in Deutschland und Europa? Darauf gibt das Whitepaper »The Humanoid Hardware Value Chain« konkrete Antworten, das ein Autorenteam des Fraunhofer IPA gemeinsam mit der Unternehmensberatung P3 verfasst hat.

Die Analyse zeigt: Viele zentrale Komponenten – etwa Antriebe, Batterien oder Sensoren – erfüllen die industriellen Anforderungen noch nicht vollständig. Zudem fehlen bislang standardisierte Bauweisen für Gesamtsysteme. Genau darin liegt die Chance für Komponentenhersteller aus Deutschland und Europa: Entlang der gesamten Wertschöpfungskette öffnen sich neue Märkte – insbesondere für Unternehmen, die sich in Automatisierung, Mechatronik und industrieller Fertigung über Jahrzehnte umfangreiche Kompetenzen erarbeitet haben.

 

Jetzt positionieren

Für die Industrie in Deutschland und Europa ergibt sich damit ein klares Bild: Humanoide Robotik ist nicht nur ein neues Technologiefeld, sondern ein erheblicher Zukunftsmarkt – mit vergleichsweise niedrigen Einstiegshürden für etablierte Hersteller, die ihre vorhandenen Kompetenzen direkt einbringen können. Wer sich jetzt positioniert, kann diese Entwicklung aktiv mitgestalten.

 


Förderer:

Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg, Dieter Schwarz Stiftung

 

Ansprechpartner:

Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA)
Institut für industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb (IFF)
Universität Stuttgart

Prof. Thomas Bauernhansl
Institutsleiter Institut für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb (IFF)
Tel.: +49 711 9701101
E-Mail: thomas.bauernhansl@iff.uni-stuttgart.de

Dr. Werner Kraus
Forschungsbereichsleiter Roboter- und Assistenzsysteme
Tel.: +49 711 9701049
E-Mail: werner.kraus@ipa.fraunhofer.de

 


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Aktuelle Anwendungsentwicklungen fokussieren sich vor allem auf Technologien, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit. | Quelle: Fraunhofer IPA/Foto: Rainer Bez.

 

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